Ernährung bei Krebs

 

Welche Ernährung ist bei Krebserkrankungen sinnvoll? 

Krebs ist in Deutschland nach Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache. 395.000 Menschen erkranken jährlich an Krebs (195.000 Frauen und 200.000 Männer). Die Heilungsrate bei allen Krebserkrankungen beträgt durchschnittlich 30 bis 40 %. 25 % aller Todesfälle sind auf Krebs zurückzuführen.

 

Zu den Hauptursachen von Krebs gehören Alter, Rauchen, Schadstoffe, familiäre Veranlagung, Virusinfektionen wie Hepatitis B (Leberkrebs) und Fehlernährung mit Übergewicht. Die WHO berichtete bereits 2005, dass etwa 30 % aller Krebsfälle ernährungsbedingt sind. Damit nimmt die Ernährung etwa den gleichen Stellenwert als Risikofaktor ein wie Tabakrauchen. Das Bauchfett spielt eine entscheidende Rolle, da es Entzündungsbotenstoffen bildet, welche ursächlich für die Krebsentstehung verantwortlich gemacht werden. Daher gilt Gewichtsabnahme mit Reduktion des Körperfettes (insbesondere des Bauchfettes) als eine vorbeugende Maßnahme gegen Krebserkrankungen.

 

Etwa 20 % der Todesfälle bei Krebspatienten sind nicht direkte Folge des Tumorleidens, sondern auf Mangelernährung und die hieraus resultierende krankhafte Abmagerung (Kachexie) zurückzuführen. Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Mangelernährung und der Einschränkung der Überlebenszeit.

 

Der Gewichtsverlust ist ein unabhängiger und besserer Vorhersagefaktor für die Überlebenszeit bei Tumorpatienten als das Tumorstadium, die feingewebliche Untersuchung (Histologie) oder die Wahl der Chemotherapie. Dabei geht insbesondere der Verlust von Körpereiweiß mit einer reduzierten Prognose einher.

 

Da der Verlust von Muskelmasse sehr viel schwieriger wiederzugewinnen ist als ein Verlust an Fett, müssen ernährungstherapeutische Maßnahmen so früh wie möglich eingeleitet werden. Bei der Ernährung soll die Betonung einer Eiweißzufuhr ergänzt werden durch ein ausgewogenes Trainings- oder Bewegungsprogramm. Bei der Eiweißzufuhr ist auf einen hohen Gehalt an verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA) zu achten. Diese sind insbesondere in Produkten mit einem hohen Molkenproteingehalt enthalten.

 

Da Tumorzellen einen eigenen Stoffwechsel besitzen und insbesondere Kohlenhydrate bevorzugt zur Energiegewinnung nutzen, ist eine kohlenhydratarme Ernährung von Vorteil.

 

Tumorzellen vergären Kohlenhydrate (Zuckerstoffe) und es entsteht Milchsäure. Die Übersäuerung der Tumorumgebung durch die Milchsäure erleichtert es dem Krebs, in fremdes Gewebe einzuwandern und zu streuen (Metastasierung).

 

Da die Energiegewinnung des Tumors durch Vergärung von Kohlenhydraten bzw. Zucker deutlich ineffektiver ist als die normale Zellatmung, verbraucht der Krebs sehr viel Energie. Eine kohlenhydratbetonte Ernährung „füttert“ lediglich den Tumor und die Auszehrung des übrigen Körpers schreitet eher fort. Durch eine deutliche Reduktion der Kohlenhydrate entzieht man jedoch dem Tumor zum Teil den Nährboden.

 

Durch Erhöhung der Eiweiß- und Fettzufuhr werden ausschließlich gesunde Zellen ernährt, da der Tumor weder Eiweiß noch Fett zur Energiegewinnung durch Gärung nutzen kann. Dies ist insbesondere wichtig, da die Chemotherapie nur gut durchblutete Tumorzellen erreicht. Tumorzellen, die Kohlenhydrate vergären, sind aber von diesen Gefäßen unabhängig und daher unempfindlich gegen Chemo- oder Strahlentherapie.

 

Durch eine Kostumstellung, bereits bei Beginn der Therapie, kann hierdurch die Effektivität einer Chemo- und/oder Strahlentherapie deutlich gesteigert und damit die Prognose gebessert werden.

 

Kostempfehlung für Tumorpatienten:

  • Deutliche Reduktion der Kohlenhydrate.
     
  • Viel hochwertiges Eiweiß (1,2 bis 2 g/kg Körpergewicht).
     
  • Bei Appetitmangel und Kauproblemen stellen hochwertige Molkenproteinshakes eine sinnvolle Alternative dar.
     
  • Erhöhung des Fettanteils auf über 40 bis zu 50 En%. Dabei sind ungesättigte, antientzündliche Fettsäuren wie Olivenöl, Rapsöl, Leinöl, Nussöle, Kernöle oder Omega-3-Fettsäuren zu bevorzugen.
     
  • Die Kost sollte grundsätzlich vitalstoffreich sein, mit Betonung auf Gemüse. Eine Ergänzung mit Nahrungsergänzungsmittel, welche reich an sekundären Pflanzenstoffen sind, ist sinnvoll.

Neben Operation, Strahlen- und Chemotherapie stellt die Ernährungstherapie eine vierte Säule der Krebstherapie dar, da sie nicht nur ein Prognosemarker, sondern ein für die Prognose mitbestimmender Faktor ist.

 

Diese Aussage "Essen Sie, was Ihnen schmeckt." sollte in Zukunft durch eine kompetente Ernährungsberatung ersetzt werden, da sie ansonsten den Patienten möglicherweise nicht nur Lebensqualität, sondern auch Lebenszeit bzw. Überlebenschancen kostet.